(english version)
Die Portraits von Michael Walter sind eine Sache des Abdrucks im philosophischen wie im handwerklichen Sinne.
Die Technik, in der er arbeitet, oszilliert zwischen Dokumentation, künstlerischem Handwerk und Neuschöpfung.
Beginnend mit dem photographischen Bild einer Person entfaltet sich das Portrait in einer Reihe von Reproduktionsprozessen, während derer das Bild transformiert und verfeinert wird: zunächst am Computer, dann in Kopierverfahren, dann auf der Leinwand indem der Toner mittels Nitrolösung darauf abgedruckt wird. Ab diesem Zeitpunkt setzt das traditionelle Handwerk der Malerei ein, die Arbeit mit dem Pinsel auf dem Druck.
Dabei ist jeder Schritt eine Sache der Auswahl, einer Auswahl, die durch den Künstler getroffen wird auf der Grundlage von Begegnungen mit der Person, die es zu portraitieren gilt.
Nach und nach lösen sich die dokumentarischen Konnotationen des Originalphotos auf, als würde die Zeit versiegelt. Die Portraits nehmen den Charakter einer neuen Ikonographie an. Durch diese seltene Technik ist jedes fertige Portrait ein eben so einzigartiges Werk, ein Konstrukt aus dem Setzen von Identität.
In diesem Sinne spiegelt Michael Walters Technik den intersubjektiven Ausdruck wieder, der ein Portrait auch immer sein wird. Jedes Portrait ist Ausdruck der Begegnung zwischen Künstler und Portraitiertem, eine Verbindung zwischen dem wie Sie sich gerne zeigen würden und dem Interesse des Künstlers an Ihnen.
Michael Walters Fokus liegt nicht notwendigerweise darauf, eine wahre Repräsentation der portraitierten Person hervorzubringen, oder ihre wirkliche Essenz, aber doch mit den Wünschen zu arbeiten, ein Zeichen setzen zu wollen, eine Persona zu schaffen, als Identität wie auch als Bild. So gesehen, wirkt das Portrait beinahe als Prototyp, als Bild, durch das Sie sich selbst neu sehen können.
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